Autoren
Uwe
Schaarschmidt
und Andreas
W. Fischer 
Verlag,
Erscheinungsort und -jahr
Papier-Bleistift-Version:
Swets
Test Services
,
Frankfurt/M., 1996, 2003
(2. überarbeitete
und erweiterte Auflage)
Computerversion:
Dr.
Schuhfried GmbH
,
Wien/Mödling, 1996, 2003
(2. überarbeitete
und erweiterte Auflage)
Einsatzbereiche
AVEM ist
für eine breite Palette arbeits- und gesundheitspsychologischer
Fragestellungen
gedacht. Das Verfahren erlaubt Aussagen über
gesundheitsförderliche
bzw. -gefährdende Verhaltens- und Erlebensmuster
bei der
Bewältigung von Arbeits- und Berufsanforderungen.
Die Schlussfolgerungen
aus den diagnostischen Ergebnissen laufen
sowohl
auf die Verhaltens- als auch die Verhältnisprävention
hinaus.
Das Verfahren
dürfte damit für Arbeits- und Organisationspsychologen,
Gesundheitspsychologen
und Klinische Psychologen gleichermaßen von
Interesse
sein. Die konkreten Einsatzmöglichkeiten werden im Rahmen der
betrieblichen
Gesundheitsförderung, der beruflichen Rehabilitation, der
Personalentwicklung,
aber auch der Arbeits- und Organisationsgestaltung
gesehen.
Die Anwendung des Verfahrens kann in der individuellen
Beratungssituation,
im Rahmen von Assessment-Center-Verfahren,
Gesundheitszirkeln,
Schulungen für Führungskräfte, Kommunikations-
und Stress-Management-Seminaren,
aber auch in Form umfassender
Erhebungen
bei Berufs- und Tätigkeitsgruppen erfolgen. Besonders zu
empfehlen
ist der Einsatz im Sinne der Prae-Post-Messung im Kontext mit
gesundheits-
und motivationsbezogenen Interventionsmaßnahmen.
Konstruktionsgrundlagen
AVEM dient
der Erfassung relativ stabiler Verhaltens- und Erlebensmerkmale,
die als
persönliche Ressourcen in die Auseinandersetzung mit den beruflichen
Anforderungen
eingehen. In ihrer Summe und ihrem Zueinander machen sie
das „Arbeitsbezogene
Verhaltens- und Erlebensmuster“ aus. Es werden 4
solche
Muster unterschieden: Muster G (Engagement, Widerstandskraft und
Wohlbefinden),
Muster S (Schonung), Risikomuster A (Selbstüberforderung)
und Risikomuster
B (Überforderung und Resignation). Während Muster G
gesundheitsförderliches
Verhalten und Erleben anzeigt, weisen die Muster A
und B auf
(qualitativ
und quantitativ) unterschiedliche Gesundheitsgefährdungen
hin.
Muster
S wiederum ist weniger unter Gesundheits-, sondern mehr unter
Motivationsaspekt
von Interesse.
Die mit
dem AVEM erfassten Verhaltens- und Erlebensmerkmale sind einerseits
durch bereits
in den Beruf eingebrachte Persönlichkeitsbesonderheiten bedingt,
andererseits
sind sie durch die Berufsausübung geformt. Von ihnen hängt
es
in hohem
Grade ab, wie die beruflichen Belastungen verarbeitet werden, in
welchem
Maße sie zu positiven oder negativen Beanspruchungsfolgen
führen.
Aus diesem
Grunde werden sie als Indikatoren für Gesundheit verstanden.
Das AVEM-Konzept
geht also davon aus, dass die Art und Weise, wie
Menschen
beanspruchenden Situationen begegnen, ein entscheidendes
Gesundheitskriterium
darstellt.
Inhalte
AVEM ist
ein mehrdimensionales persönlichkeitsdiagnostisches Verfahren.
Es setzt
sich aus den folgenden 11 Dimensionen arbeitsbezogenen Verhaltens
und Erlebens
zusammen:

1. Subjektive Bedeutsamkeit der Arbeit (Stellenwert der Arbeit im
persönlichen
Leben)
Beispiel-Item: Die
Arbeit ist für mich der wichtigste Lebensinhalt
2. Beruflicher Ehrgeiz (Streben nach beruflichem Aufstieg)
Beispiel-Item: Ich
möchte beruflich weiter kommen, als es die meisten
meiner Bekannten
geschafft haben.
3. Verausgabungsbereitschaft (Bereitschaft, die persönliche
Kraft für
die Erfüllung
der Arbeitsaufgabe einzusetzen)
Beispiel-Item: Wenn
es sein muss, arbeite ich bis zur Erschöpfung.
4. Perfektionsstreben (Anspruch bezüglich Güte und Zuverlässigkeit
der eigenen Arbeitsleistung)
Beispiel-Item: Was
immer ich tue, es muss perfekt sein.
5. Distanzierungsfähigkeit (Fähigkeit zur psychischen
Erholung von der Arbeit)
Beispiel-Item: Nach
der Arbeit kann ich ohne Probleme abschalten.
6. Resignationstendenz bei Misserfolg (Neigung, sich mit Misserfolgen
abzufinden und leicht
aufzugeben)
Beispiel-Item: Wenn
ich keinen Erfolg habe, resigniere ich schnell.
7. Offensive Problembewältigung (Aktive und optimistische Haltung
gegenüber Herausforderungen
und auftretenden Problemen)
Beispiel-Item: Nach
Misserfolgen sage ich mir: Jetzt erst recht!
8. Innere Ruhe und Ausgeglichenheit (Erleben psychischer Stabilität
und
inneren Gleichgewichts)
Beispiel-Item: Mich
bringt so leicht nichts aus der Ruhe.
9. Erfolgserleben im Beruf (Zufriedenheit mit dem beruflich Erreichten)
Beispiel-Item: Mein
bisheriges Berufsleben war recht erfolgreich.
10. Lebenszufriedenheit (Zufriedenheit mit der gesamten, auch über
die
Arbeit hinausgehenden
Lebenssituation)
Beispiel-Item: Im
großen und ganzen bin ich glücklich und zufrieden.
11. Erleben sozialer Unterstützung (Vertrauen in die Unterstützung
durch nahestehende
Menschen, Gefühl der sozialen Geborgenheit)
Beispiel-Item: Mein
Partner/meine Partnerin zeigt Verständnis für meine Arbeit.
Diese 11
Dimensionen sind 3 umfassenden inhaltlichen Bereichen zugeordnet.
Es sind
dies die Bereiche des beruflichen Engagements (Skalen 1-5), der
erlebten
Widerstandskraft
gegenüber den beruflichen Belastungen (Skalen 5-8) und der
Emotionen,
die die Berufsausübung begleiten (Skalen 9-11). In Hinblick
auf
gesundheitsbezogene
Aussagen kommt jedem der 3 Bereiche eine eigenständige
Bedeutung
zu.

Frage-
und Antwortformate
Das Verfahren
besteht aus insgesamt 66 Items (6 je Dimension). Die
Stellungnahmen
zu den Items werden auf einer 5-stufigen Skala verlangt
(von trifft
völlig zu bis trifft überhaupt nicht zu). Zur Unterstützung
des
Antwortverhaltens
sind die Skalenstufen doppelt kodiert (verbal und graphisch).

Subtests
AVEM besteht
aus 11 Dimensionen (Skalen), die - i. S. von Subtests - nochmals
nach den
o. a. drei Bereichen Engagement, Widerstandskraft und Emotionen
zusammengefasst
werden können. Von besonderer Bedeutung ist jedoch die
konfigurative
Auswertung zur Bestimmung der jeweiligen Musterzugehörigkeit,
die über
alle 11 Dimensionen hinweg erfolgt.

Gütekriterien
Reliabilität
AVEM weist
in allen 11 Skalen eine gute bis befriedigende Reliabilität
auf
(Cronbach's
α zwischen .78 und .87; Split-half-Reliabilität zwischen
.76 und .90,
Stabilitätskoeffizienten
nach einem Zeitraum von 3 Monaten zwischen .69 und .82).
Unter Berücksichtigung
der umfangreichen in die Reliabilitätsprüfung einbezogenen
Stichproben
ist damit gewährleistet, dass über den Gruppeneinsatz
hinaus auch
individualdiagnostische
Aussagen zuverlässig getroffen werden können. (Die
Reliabilitätskennwerte
wurden in den Jahren 1995/96 erhoben.)
Validität
Die Validität
wird durch Ergebnisse auf zwei Ebenen unterstrichen: Erstens ist
eine klare,
mit den Inhalten übereinstimmende Faktorenstruktur hervorzuheben.
Zweitens
lassen sich für die einzelnen Dimensionen wie auch für
die
zusammenfassenden
Muster eindeutige und immer hypothesenkonforme
Zusammenhänge
mit folgenden Merkmalen ausweisen: Zahl der Krankentage
im Jahr,
Absichten vorzeitiger Berentung/Pensionierung, Bewertung von
Arbeitsbedingungen
nach dem Grad ihrer Gesundheits- und
Persönlichkeitsförderlichkeit,
physiologischen Indikatoren des Belastungs- und
Erholungsverhaltens,
Angaben zum Beschwerdeerleben im psychischen und
körperlich-funktionellen
Bereich.

Normen
Die Normierung
wurde in Deutschland und Österreich vorgenommen. Die in
der Handanweisung
(2. Auflage) publizierten Normen beruhen auf einer
Gesamtstichprobe
von N = 14725 (erfasst in den Jahren 1994 - 2002).
Sie setzt
sich aus Angehörigen insbesondere solcher Berufe zusammen,
die durch
akzentuierte psychosoziale Beanspruchung, d. h. durch verstärkten
Umgang
mit Menschen und Verantwortung für Menschen, gekennzeichnet
sind.
Im einzelnen
handelt es sich um Lehrer, Pflegekräfte, Ärzte, Bedienstete
von
Polizei,
Strafvollzug und Feuerwehr, Angestellte der öffentlichen Verwaltung
sowie Existenzgründer.
Darüber hinaus wurden Stichproben von Studierenden
der Studienrichtungen
Psychologie, Lehramt und BWL mit aufgenommen; und
schließlich
fanden auch Ergebnisse von Reha-Patienten Berücksichtigung.
Für
alle genannten Teilstichproben liegen gesonderte Normen vor.

Testmaterial,
Bearbeitungsbedingungen/-dauer und Auswertung
AVEM liegt
sowohl in Papier-Bleistift- als auch in computergestützter
Form vor.
Die Bearbeitungszeit
beträgt in beiden Fällen etwa 10 Minuten.
Die Auswertung
erfolgt in zwei Schritten: Erstens werden die Skalenwerte
ermittelt
und zweitens die Wahrscheinlichkeiten für die Zugehörigkeit
zu den
4 (über
Clusteranalysen gefundenen) Mustern G, S, A und B berechnet.
Bei der
Auswertung mittels Computer wird ein automatischer Normenvergleich
durchgeführt
und auf dieser Grundlage auch die Wahrscheinlichkeit für die
Musterzugehörigkeit
ausgegeben. Um die Möglichkeiten der computergestützten
Auswertung
auch für die Papier-Bleistift-Form voll auszuschöpfen,
liegt dem
Testmaterial
eine Diskette mit Auswerteprogramm bei.
Bei der
Auswertung per Hand können problemlos die Skalenwerte ermittelt
werden.
Dazu werden
auf dem Auswerteblatt die individuellen Punktwerte in Stanine-Werte
transformiert.
Es ist darüber hinaus auch möglich, das individuelle Profil
mit den
vorgegebenen
Mustern zu vergleichen. Dieser Vergleich kann aber nur per
Augenschein
erfolgen. Für die genauere Berechnung der Musterzugehörigkeit
ist das
oben erwähnte Auswerteprogramm erforderlich.

Ergebnisrückmeldungen
Die Ergebnisrückmeldung
erfolgt in Form der Skalenwerte (Stanine) und
der Wahrscheinlichkeitsangaben
bezüglich der jeweiligen Musterzugehörigkeit.
Alle diese
Werte sind auf einem Auswerteblatt festgehalten. Zusätzliche
schriftliche
Erläuterungen machen es der untersuchten Person möglich,
ihre
individuellen
Werte mit den Normwerten zu vergleichen und die Musterzuordnung
nachzuvollziehen.
In der Regel sollte die AVEM-Auswertung im Kontext eines
Beratungsgespräches
mit einem in das Verfahren eingewiesenen Psychologen
erfolgen.

Publikationen
Schaarschmidt,
U. & Fischer, A.W. (1996, 2. überarbeitete und erweiterte
Auflage
2003).
AVEM - Arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster. Frankfurt/M.:
Swets Test
Services.
Schaarschmidt,
U. & Fischer, A.W. (2001). Bewältigungsmuster im Beruf.
Persönlichkeitsunterschiede
in der Auseinandersetzung mit der Arbeitsbelastung.
Göttingen:
Vandenhoeck & Ruprecht.
Erfahrungen
in der Praxis
AVEM wurde
bisher mit Erfolg in verschiedenen Berufsgruppen eingesetzt,
um Hinweise auf spezifische Beanspruchungsprobleme zu erhalten und
Schlussfolgerungen
für personen- und bedingungsbezogene Maßnahmen
der Gesundheitsförderung
abzuleiten. In größerem Umfange wurden
Ergebnisse
an folgenden Berufsgruppen gewonnen: Lehrer, Pflegekräfte,
Ärzte
und weiteres Krankenhauspersonal, Führungskräfte der öffentlichen
Verwaltung,
Unternehmensgründer, Angehörige der Berufsfeuerwehr, der
Polizei
und des Strafvollzugs, Studierende der Psychologie, der
Wirtschaftswissenschaften
und des Lehramtes sowie Reha-Patienten.
Für
über 2000 Personen (Lehrer, Führungskräfte, Existenzgründer,
Studierende,
Patienten)
liegen auch bereits Befunde aus Wiederholungsmessungen vor
(z. T.
nach erfolgter Intervention).
Generell
lassen die bisher gewonnenen Erfahrungen folgende
Schlussfolgerungen
zu:

AVEM
gestattet eine wirksame Frühdiagnostik von Risiken für
die

psychische
Gesundheit.

AVEM
kann die Vorbereitung und Planung von Interventionen auf der

individuellen
und der kollektiven Ebene wirksam unterstützen.

Mittels
AVEM können gesundheitsrelevante Veränderungen im Verlaufe

der
Intervention abgebildet und Informationen über die Nachhaltigkeit

von
Interventionseffekten gewonnen werden.

Mit
dem AVEM können im berufsinternen und berufsübergreifenden

Vergleich
Aussagen über gesundheitsförderliche und

gesundheitsgefährdende
Anforderungen gewonnen und Schwerpunkte

für
die Intervention ausgemacht werden.


Bezugsadressen:
Papier-Bleistift-Version:
Swets Test
Services GmbH
Mainzer
Landstraße 625-629
D-65933
Frankfurt/Main
Tel: 069/633988-0
Fax: 069/633988-77
E-Mail:
info@swetstest.de
Internet:
www.swetstest.de


Computerversion:
Dr. Schuhfried
Ges.m.b.H
Hyrtlstraße
45
A-2340
Mödling

Tel: 0043/2236/42315
Fax: 0043/2236/46597
E-Mail:
schuhfried@adis.at
Internet:
www.schuhfried.co.at




