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IPS – Inventar zur Persönlichkeitsdiagnostik in Situationen

Autoren
Uwe Schaarschmidt und Andreas W. Fischer

Verlag, Erscheinungsort und -jahr
Papier-Bleistift-Version: Swets Test Services , Frankfurt/M., 1999
Computerversion: Dr. Schuhfried GmbH , Wien/Mödling, 1999

Einsatzbereiche
Das IPS kann für viele praktische Aufgabenstellungen der Persönlichkeitsdiagnostik im Erwachsenenalter herangezogen werden. Es ist vor allem (aber nicht ausschließlich) für Personen konzipiert, die sich im Arbeits- oder Ausbildungsprozess befinden. Die wesentlichsten Einsatzmöglichkeiten werden im Rahmen der Personalentwicklung, der Gesundheitsförderung sowie der Berufs- und Studienberatung gesehen. Hervorzuheben ist der deutliche Interventionsbezug. Vorrangig mit Blick auf Fragestellungen der Personalentwicklung und Gesundheitsförderung kann das IPS gezielte Hinweise auf Entwicklungs- und Veränderungsbedarf geben. Zu diesem Zweck ist u. a. die Einbeziehung in Förder-Assessment-Center-Verfahren, Gesundheitszirkel, Schulungen für Führungskräfte, Kommunikations-, Stress- und Management-Seminare sowie weitere Formen persönlichkeitsbildender Seminare und Kurse zu empfehlen.

Da bei der Konzipierung des Verfahrens dem sozialkommunikativen Anforderungsbereich besondere Beachtung geschenkt wurde, ist seine Anwendung vor allem auch in solchen Tätigkeits- und Berufsgruppen zu empfehlen, die sich durch ein höheres Maß psychosozialer Beanspruchung und durch akzentuierte Anforderungen an das sozial-kommunikative Verhalten auszeichnen (Führungskräfte, Lehrer, Pflegekräfte...).

Der eindeutige Anforderungsbezug des Verfahrens bringt es mit sich, dass seine diagnostischen Intentionen weitgehend durchschaubar sind. Daraus leitet sich ab, dass speziell bei der Anwendung für Auswahl- und Lenkungsentscheidungen mit stärkeren Antworttendenzen im Sinne der sozialen Erwünschtheit zu rechnen ist. Es schließt sich deshalb der Einsatz für derartige Fragestellungen nicht aus, er muss aber in besonders kritisch-reflektierender Weise geschehen.

Konstruktionsgrundlagen
Im IPS wird die Selbsteinschätzung des Verhaltens und Erlebens in bezug auf die Auseinandersetzung mit wesentlichen, überwiegend alltäglichen Lebensanforderungen verlangt. Konkret wird gefragt, wie Anforderungen an das sozial-kommunikative Verhalten, das Leistungsverhalten sowie das Gesundheits- und Erholungsverhalten bewältigt werden. Es liegt die Voraussetzung zugrunde, dass von diesen drei Bereichen die entscheidenden Herausforderungen für einen erwachsenen, im aktiven Leben stehenden Menschen ausgehen. Mit diesem Zuschnitt soll der Zugang zu praxisrelevanten Fragestellungen erleichtert werden.

Im Vergleich mit den traditionellen persönlichkeitsdiagnostischen Verfahren weist das IPS einige Besonderheiten auf:

Erstens ist der starke Situationsbezug hervorzuheben, der dem Fragebogen sein besonderes Gepräge gibt. Es werden Anforderungen über fiktive Situationen vorgegeben, in die sich die Person hineinversetzen und bezüglich derer sie ihr Denken, Fühlen und Handeln einschätzen soll. Mit diesem Design orientiert sich das IPS am Modell der sogenannten S-R-Fragebögen. Die ausgewählten Situationen sollen als Prototypen für relevante Lebensanforderungen verstanden werden.

Zweitens sind die Besonderheiten in der Auswertung hervorzuheben. Es werden zunächst pro Anforderungsbereich Skalen gebildet, bei denen die Situationsbindung erhalten bleibt. (In der Regel liegt pro Situation eine Skala vor.) Um über die (prototypische) Situation hinaus Aussagen zu einem breiteren Spektrum des sozialen, des Leistungs- und des Gesundheitsverhaltens treffen zu können, dabei aber die Situationsspezifik nicht zu verwischen, wird im weiteren eine Auswertung über Profile innerhalb der 3 Anforderungsbereiche vorgenommen.

Drittens wird zusätzlich zur Selbsteinschätzung des wahrscheinlichen Verhaltens und Erlebens in den vorgegebenen Situationen ein Selbsturteil bezüglich der Zufriedenheit/Unzufriedenheit mit den eingeschätzten Reaktionen eingeholt. Es drückt sich in diesem Urteil aus, ob und inwieweit in der jeweiligen Situation den individuellen Sollwerten entsprochen wird. Diese Sollwerte repräsentieren psychische Bedürfnisse, verinnerlichte Maßstäbe und Normen, sie stellen ein internes Bezugssystem dar, an dem das (wahrscheinliche) Verhalten und Erleben gemessen und bewertet wird.

Inhalte
Getrennt nach den drei Anforderungsbereichen liegen (über Faktorenanalysen ermittelt) die folgenden Skalen vor:

A. Bereich des sozial-kommunikativen Verhaltens
A1 Aktivität in vertrauter kommunikativer Situation
A2 Selbstbehauptung bei Kommunikationserfordernis
A3 Konfrontationstendenz in sozialer Konfliktsituation
A4 Durchsetzung in einer Führungsrolle
A5 Rücksichtnahme bei sozialer Verantwortung
A6 Empfindlichkeit bei sozialer Frustration

B Bereich des Leistungsverhaltens
B1 Engagement bei hoher Leistungsanforderung
B2 Beharrungstendenz bei Umstellungserfordernis
B3 Stabilität bei stressvoller Anforderung
B4 Selbstvertrauen bei Prüfungsanforderung
B5 Karriere- und Risikobereitschaft bei beruflicher Herausforderung
B6 Optimismus gegenüber alltäglicher Anforderung

C Bereich des Gesundheits- und Erholungsverhaltens
C1 Entspannungsfähigkeit nach dem Arbeitstag
C2 Aktives Erholungsverhalten in der Freizeit
C3 Gesundheitsvorsorge bei Warnsignalen

Im weiteren wird noch die Beurteilung der Zufriedenheit mit den eingeschätzten Reaktionen pro Situation verlangt. Diese Urteile finden auf drei, den übergeordneten Anforderungsbereichen entsprechenden Zufriedenheitsskalen ihren Niederschlag:

ZA: Zufriedenheit mit dem Verhalten bei sozial-kommunikativen Anforderungen
ZB: Zufriedenheit mit dem Leistungsverhalten
ZC: Zufriedenheit mit dem Gesundheits- und Erholungsverhalten

Frage- und Antwortformate
Den Verhaltenseinschätzungen in den Bereichen A - C liegen im ganzen 80 Items zugrunde. Die Zufriedenheitsurteile stützen sich auf insgesamt 15 Items. Eine Person hat also 95 Items zu bearbeiten.
Bezogen auf die jeweiligen Situationen werden für die Verhaltenseinschätzungen die Antworten auf einer vierstufigen Skala gegeben ("stimmt genau" bis "stimmt gar nicht"), für die Zufriedenheitseinschätzungen in Form von Smilies, die einen "sehr zufriedenen" bis "sehr unzufriedenen" Gesichtsausdruck symbolisieren.

Beispiel (Situation 1):
Ich sitze in geselliger Runde mit Freunden und Bekannten zusammen...




Gütekriterien
Die Objektivität ist sowohl in der Durchführung wie auch in der Auswertung in hohem Maße gewährleistet.

In allen Skalen und Profilen liegen gute bis ausreichende Reliabilitätskennwerte vor (für die Skalenwerte der Eichstichprobe Cronbach´s Alpha .71 - .91, erhoben im Jahre 1998).

Die Validität wird durch Ergebnisse belegt, die an unterschiedlichen Stichproben und auf mehreren Ebenen gewonnen wurden. Sowohl für die Skalen als auch für die Profile ließen sich klare, mit dem jeweiligen Gültigkeitsanspruch übereinstimmende Beziehungen zu Dimensionen anderer Verfahren, so u.a. zum FPI-R (Fahrenberg, Selg & Hampel, 1989) und zum AVEM (Schaarschmidt & Fischer, 1996), sowie enge Zusammenhänge mit Selbst- und Fremdeinschätzungen in relevanten Anforderungssituationen auffinden (u. a. zu AC-Ergebnissen). In der Summe kann auf überzeugende Gültigkeitsaussagen i . S. der Konstruktvalidierung verwiesen werden.

Normen
Normen werden in zweierlei Hinsicht ausgewiesen. Zum ersten werden sie in üblicher Weise in bezug auf die Skalenwerte angegeben (differenziert für eine gezielt zusammengesetzte Eichstichprobe, grob für mehrere weitere berufsspezifische Stichproben). Zum zweiten sind die pro Anforderungsbereich dargestellten Referenzprofile als Normen zu verstehen. Sie dienen als Maßstab für die Beurteilung aufgefundener Verhaltens- und Erlebensmuster, wobei sich die Beurteilung vor allem auf die Feststellung von Interventionsbedarf bezieht. Die Nähe des individuellen Profils zu den Referenzprofilen wird über die Berechnung von Zuordnungswahrscheinlichkeiten bestimmt.

Testmaterial, Bearbeitungsbedingungen/-dauer und Auswertung
Das IPS liegt sowohl in Papier-Bleistift- als auch in computergestützter Form vor. Die Bearbeitungszeit beträgt in beiden Fällen etwa 15-20 Minuten (sowohl in der Gruppen als auch in der Einzelsitzung). Es ist als Einzel- und Gruppentest durchführbar. Seine Anwendung (nicht aber die Auswertung im Beratungsgespräch) kann auch durch Nicht-Psychologen erfolgen.

Die Auswertung sieht zunächst die Berechnung der Skalenwerte (Stanine) vor (je 6 Werte für die Bereiche A und B, 3 für den Bereich C und 3 für die Zufriedenheitsurteile). Zum zweiten erfolgt die Profilauswertung, die für jeden der drei Bereiche gesondert vorzunehmen ist. Über die Berechnung von Zuordnungswahrscheinlichkeiten kann die Nähe des individuellen Profils zu den pro Bereich (über Clusteranalysen) ermittelten Referenzprofilen angegeben werden. Für die Bereiche A und B liegen je 6 solcher Profile vor, für den Bereich C 5. Für jeden Bereich konnten einerseits günstige und andererseits weniger günstige, auf Interventionsbedarf hinweisende Profile identifiziert werden.

Schließlich können noch in einem speziellen Auswertungsschritt die Einschätzungs- und Zufriedenheitswerten gegenübergestellt werden.

Für die Papier-Bleistift-Form ist noch folgendes anzumerken: Die Berechnung der Skalenwerte ist problemlos per Hand möglich. Die darüber hinausgehende Profilauswertung, speziell die Berechnung der Zuordnungswahrscheinlichkeiten, kann jedoch nur mittels eines beiliegenden PC-Programms erfolgen.

Ergebnisrückmeldungen
Die Ergebnisrückmeldung erfolgt in Form der Skalenwerte (Stanine) und der Wahrscheinlichkeitsangaben bezüglich der jeweiligen Profilzugehörigkeit. Alle diese Werte sind auf einem Profilblatt festgehalten. Zusätzliche schriftliche Erläuterungen machen es der untersuchten Person möglich, ihre individuellen Werte mit den Normwerten zu vergleichen und interventionsbezogene Hinweise zu entnehmen. Die Rückmeldung über die Zufriedenheitswerte ist ein weiterer, auch unter dem Interventionsbezug relevanter Auswertungsaspekt, sind diesen Werten doch nicht zuletzt Hinweise über den Grad der Veränderungsbereitschaft zu entnehmen.

Die detailliertere Auswertung, die vor allem unter dem Gesichtspunkt der weiterführenden Intervention erforderlich sein kann, muss im Gespräch mit einem in das IPS eingeführten Psychologen erfolgen.

Erfahrungen in der Wirtschaftspraxis
Da das IPS erst jüngst erschienen ist, kann noch nicht auf umfangreichere Erfahrungen mit seiner Anwendung verwiesen werden. Die Autoren selbst haben das IPS im Rahmen von Beratungssituationen, Gesundheitszirkeln, Seminaren und Förder-Assessment-Centern mit Angestellten der öffentlichen Verwaltung, Lehrerinnen und Lehrern, Pflegerpersonen, Ärzten, Existenzgründern und Führungskräften eingesetzt. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sprechen für eine hohe Akzeptanz dieses Instrumentes und für seine Leistungsmöglichkeiten bei der Ermittlung von Förder- und Entwicklungsbedarf, der individuellen Festlegung von Interventionsmaßnahmen und deren Erfolgskontrolle. An der Erprobung für die Personalentwicklung in anderen Berufsgruppen und Tätigkeitsbereichen wird z. Zt. gearbeitet (u. a. finden Untersuchungen an Call-Center-Arbeitsplätzen sowie im Tätigkeitsfeld von Consultants und im Verkauf statt).

Publikationen
Schaarschmidt, U. & Fischer, A. W. (1999). IPS – Inventar zur Persönlichkeitsdiagnostik in Situationen. Frankfurt/M.: Swets Test Services. Computerversion im Rahmen des Wiener Testsystems, Wien/Mödling: Schuhfried Ges.m.b.H.
Kemter, P. (2000). Inventar zur Persönlichkeitsdiagnostik in Situationen. In: E. Fay (Hrsg.) (2000). Tests unter der Lupe III. Lengerich: Pabst.

Bezugsadressen:
Papier-Bleistift-Version:
Swets Test Services GmbH
Schaumainkai 69
Museumsufer
D-60596 Frankfurt/Main

Tel: 069/633988-0
Fax: 069/63398877
E-Mail: info@swetstest.de
Internet: www.swetstest.de

Computerversion:
Dr. Schuhfried Ges.m.b.H.
Hyrtlstraße 45
A-2340 Mödling

Tel: 0043/2236/42315
Fax: 0043/2236/46597
Email: schuhfried@adis.at
Internet: www.schuhfried.co.at